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März 2005: Ideenwettbewerb zur Kurfürstenstraße

Von April bis Juni 2005 gibt es ein städtebauliches Forum zu Kurfürsten- und Genthiner Straße mit zahlreichen Veranstaltungen - Architektur-Studenten und Interessierte entwickeln gemeinsam Pläne für den Kiez.
Kurfürstenstraße 141 – ein ziemlich massives Bauwerk mit Säulen in der Fassade, das einmal prächtig ausgesehen haben muss. Heute wirkt das Haus eher grau, trist, und vereinsamt, übrig geblieben, stehen gelassen vom Krieg. Es steht zwar der Technischen Fachhochschule (TFH) zur Verfügung, aber bisher leer.
Das wird sich zumindest von April bis Juni 2005, für die Dauer des Sommersemesters, ändern. Dann nämlich werden mit ungefähr 200 Studenten vor Ort Seminarveranstaltungen zum Thema "städtebauliche Weiterentwicklung des öffentlichen Raums in der Genthiner Straße und Kurfürstenstraße" durchgeführt.
Es gab Zeiten, da galten der Magdeburger Platz, die Genthiner Straße und die Kurfürstenstraße als richtig gute Adresse. Nur wenige übrig gebliebene Reste helfen der Vorstellung, wie es hier einmal aussah, auf die Sprünge, neben dem Haus mit der Nummer 141 etwa die Villa des Stummfilmstars Henny Porten, die heute durch das Café Einstein zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist.
Stärker als von solch einladenden Oasen ist das Bild der Kurfürstenstraße jedoch von Parkplätzen, Autohandel und ungenutzten, eingezäunten Brachen geprägt. Die Genthiner Straße wirkt durch die großen Möbelhäuser öde und monoton, nach Geschäftsschluss gar verwaist.
Unbelebte Stadträume entwickeln sich oft zu Marktplätzen des Handels jenseits der Legalität. So brachte es auch die Kurfürstenstraße vor über 25 Jahren durch den Bestseller "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" zu trauriger Berühmtheit. Dieses Stigma klebt noch heute fest am Image der Straße. Ein negatives Image zieht die Realität weiter runter. Da setzt eine Spirale ein, die es erst mal zu unterbrechen gilt, will man eine positive Entwicklung in Gang setzen.
Das ist das Ziel des Projektes "Städtebauliches Forum Kurfürstenstraße" des Quartiersmanagement Magdeburger Platz. Quartiersmanagerin Kerstin Müller: "Der Blick auf die städtebauliche Problematik der Kurfürstenstraße wird in der öffentlichen Wahrnehmung verstellt durch das Stigma als sozialer Brennpunkt mit der besonderen Problematik des Drogenstrichs. Die derzeitige Situation bietet Nischen, die im Zusammenhang mit der Drogen- und Prostitutionsszene der Kurfürstenstraße den Aspekt der öffentlichen Sicherheit beeinträchtigt."
Das QM Schöneberger Norden und der Fachbereich Architektur konnten für das Projekt als Kooperationspartner gewonnen werden. Dass die eine Straßenseite zu Tiergarten, die andere aber zu Schöneberg gehört, ist ein Umstand, der die stadtplanerischen Überlegungen in der Vergangenheit sicher nicht gefördert hat.
Außerdem gehören zwei große Brachen auf der Schöneberger Seite den Ländern Litauen (Kurfürsten- Ecke Kielganstrasse) und Polen (Ecke Else-Lasker-Schüler-Straße), die dort eigentlich ihre Botschaften bauen wollten. Hier wird die Frage sein, ob es gelingt, ein Konzept für eine temporäre Nutzung bis zur endgültigen Bebauung zu erarbeiten.
Kerstin Müller: "Zu den Seminaren der TFH werden wir öffentliche Veranstaltungen ausrichten, mit dem Ziel, das Augenmerk sowohl der Studenten als auch der lokalen Akteure auf die enge Verknüpfung der städtebaulichen Misere der Kurfürstenstraße mit der sozialen Problematik zu lenken." Einbezogen werden sollen natürlich auch die Anwohner, die Gewerbetreibenden, Eigentümer, Experten (beispielsweise von den Trägern sozialer Einrichtungen, aber auch der Behörden) und die zuständigen Planungsabteilungen des Senats und der Bezirke.
Das QM geht davon aus, dass ein interdisziplinärer Ideenwettbewerb der Studenten die notwendige Diskussion sehr beleben kann. Es geht um den gesamten Straßenverlauf von der Einemstraße bis zur Potsdamer Straße. Man darf gespannt sein, was den Studenten einfällt, was alles möglich wäre, wenn ..., ja wenn dann auch gehandelt werden könnte. Die Arbeiten werden von einer Jury prämiert und sollen für eine Weiterentwicklung der Kurfürstenstraße empfohlen werden.
Veranstaltungen des "Forum Kurfürstenstraße"
6. April 2005 - 10 Uhr
Ortsbesichtigung der Studenten, geführt durch Vertreter des QM und des Bezirks
- 13 bis 15 Uhr 30
Einführungsveranstaltung in die Seminarreihe
Es sprechen Referenten des QM, des Bezirks und des Senats
13. April 2005 - 18 Uhr
Öffentliches Forum zum Thema "Leitbild Kurfürstenstraße"
20. April 2005 - 18 Uhr
Öffentliches Forum zum Thema "Sozialraum"
27. April 2005 - 18 Uhr
Präsentation der Zwischenergebnisse der städtebaulichen Konzepte
6. Juli 2005
Präsentation der Entwürfe (TFH-Intern)
13. Juli 2005
Preisgericht Wettbewerb
Ab 15. Juli 2005
Öffentliche Ausstellung der prämierten Semesterarbeiten
Dieser Beitrag entstammt dem demnächst erscheinenden Quartiers-Blatt - alle Ausgaben der Kiezzeitung als Download finden Sie HIER.
text: BuM; foto: wolk






