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April 2005: Städtebauliches Forum Kurfürstenstraße - Sozialraum


Am 20. April ging es in einem öffentlichen Forum um den "Sozialraum Kurfürstenstraße" – Zielsetzung soll sein, dass sich die Prostitutionsszene mit Anwohnern und Gewebetreibenden arrangiert.

Das Image eines Stadtteils zu fördern, in dem Prostituierte an den Straßenrändern stehen, ist nicht gerade einfach – das bekommen gerade die Gewerbetreibenden im Bereich Potsdamer, Kurfürsten- und Genthiner Straße immer wieder zu spüren.

Um diesen "Sozialraum" ging es deswegen auch beim zweiten öffentlichen Treffen im Rahmen des "Städtebaulichen Forums Kurfürstenstraße" am 20. April: Etwa 50 Interessierte hatten sich zusammengefunden, um sich über die Lage vor Ort zu informieren und zu beraten, wie die Wohn- und Gewerbequalität des Stadtteils verbessert werden könnte.

Die eingeladenen Experten informierten über lokale Hilfsangebote für Drogenkonsumierende und Prostituierte wie Café Olga, Mittwochsinitiative der Zwölf-Apostel-Kirche und Team Challenge oder Montagstreff an der Kurmärkischen Straße – gute Angebote, die aber gerade in der kalten Jahreszeit bei weitem nicht ausreichen, wie auch Vertreter der großen Möbelhäuser vor Ort beklagen: Ihre Cafeterien oder Waschräume dienten dann häufig als "Wärmestube".

Problematisch sahen alle Anwesenden eher den Drogenhandel als die Prostitutionsszene. Die erhöhte Polizeipräsenz habe im Gebiet schon einiges zum besseren Sicherheitsgefühl beigetragen, die Beteiligung der Polizei an Planungen für den öffentlichen Raum wird hoffentlich auch zukünftig weiter zu diesem positiven Trend beitragen.

Den Drogenstrich zu verdrängen, kann nicht Ziel sein, so die übereinstimmende Meinung der Anwesenden: Dann könnten die oft minderjährigen und Drogen konsumierenden Frauen den Schutz durch nahe gelegene Hilfsangeobte nicht mehr nutzen. Ein Beitrag aus dem Publikum wies auf den offensiven Umgang mit der Prostitution z.B. in Holland hin: Dort seien Rotlicht-Bezirke als Touristen-Attraktion und Teil des städtischen Lebens im Stadtplan ausgewiesen, während es in Berlin eher um die Auswirkungen von Verdrängungs-Maßnahmen der Szene ginge.

Im Bereich der Kurfürstenstraße handelt es sich weniger um eine berufliche Erwerbstätigkeit durch das "älteste Gewerbe" der Welt, sondern eher um eine "Leidensgemeinschaft" der Frauen und ihrer "Beschützer". Wichtig sei deswegen vor allem, dass Dritte – Anwohner, Passanten, Gewerbetreibende – durch mit Strich und Drogenszene verbundene Beschaffungskriminalität nicht zu Schaden kämen.

Zu beachten sei daher bei den Planungen für den öffentlichen Raum, dass diese Kriminalität keine Nischen in "dunklen Ecken" findet, sondern die Gestaltung transparent gehalten wird und mehr Leben in die Straßen einzieht. Dies könnte dazu beitragen, dass in Zukunft Anwohnende, Gewerbetreibende und die "Szene" gut miteinander auskommen.

Wenn Sie sich für die Ergebnisse des ersten öffentlichen Forums vom 13. April zu Planungen für das Gebiet interessieren: Klicken Sie HIER!

text: Müller/wolk; fotos: wolk/Krohmer