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Der Quartiersrat entwickelt sich weiter und wirbt um Mitarbeit

Ende April 2008, Festsaal der Elisabeth-Klinik in der Lützowstraße, öffentliche Sitzung des Quartiersrats Tiergarten Süd, der Investor Franz-Josef Glotzbach stellt im beisein des Bezirksstadtrats für Stadtentwicklung Ephraim Gothe (SPD) seine Pläne für die Bebauung des bisherigen Parkplatzes an der Ecke Kurfürstenstraße/Genthiner Straße vor.
Etwa 60 Anwohnerinnen und Anwohner sind dabei. Es wird diskutiert, und im Anschluss an die Veranstaltung erarbeitet der Quartiersrat eine vorläufige Stellungnahme zu den Plänen an den Stadtrat. Unter anderem an dieser Veranstaltung ist zu erkennen, wie und in welche Richtung sich der Quartiersrat in den letzten Monaten entwickelt hat.

Der Quartiersrat ist ja als Instrument der Bürgerbeteiligung in den Quartiersmanagementgebieten eingerichtet und in seiner Zusammensetzung von den Bürgern gewählt worden. Bisher ging es vor allem darum, Projektvorschläge auf ihren mutmaßlichen Nutzen für das Quartier zu prüfen und so über die Verwendung bestimmter Fördergelder aus dem Programm „Soziale Stadt“ mitzuentscheiden. Jetzt geht es dem Quartiersrat darüber hinaus mehr und mehr um Mitsprache auch bei den Entwicklungen, die nicht von Fördergeldern abhängig sind.

Die Bürgerinnen und Bürger sind ja vor allem deshalb zur Mitarbeit bei den Entscheidungen über die Förderungswürdigkeit von Projekten aufgerufen worden, weil ihnen aus der genauen Kenntnis ihres Wohnumfeldes eine hohe Kompetenz zugesprochen wurde. Und so ist es geradezu folgerichtig, wenn diese Kompetenz auch dann gefragt ist, wenn es nicht darum geht, Geld zu verteilen. So können zum Beispiel engagierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort deutlicher erkennen, ob diese oder jene Planungen die bisherigen Bemühungen der Quartiersarbeit aushebeln oder zurückwerfen.

Auch wenn der Quartiersrat im haushaltsrechtlichen Sinne keine Entscheidungsbefugnisse hat, er kann den Entscheidungsträgern einen Rat geben und sein Rat ist wichtig. Wie wichtig er ist, das hängt auch davon ab, in welchem Umfang er sich engagiert und in weit Bürgerinnen und Bürger auch bereit sind, sich in Sachzusammenhänge einzuarbeiten, die ihnen bisher vielleicht nicht von vornherein zugänglich waren.
Je ernster seine Argumente zu nehmen sind, desto schwieriger dürfte es für Investoren oder Bezirkspolitiker sein, sie zu überhören. Von einem gesunden sozialen Organismus profitieren schließlich alle, auch diejenigen, denen der Einspruch oder der Rat der Bürger im ersten Moment lästig zu sein scheint. Der Quartiersrat ist so gesehen eine Riesenchance. Wie sie genutzt wird, hängt von den Bürgerinnen und Bürgern des Quartiers ab.

Regine Wosnitza, die Sprecherin des Quartiersrats, ruft deshalb alle, die hier leben und/oder arbeiten zur Mitarbeit auf. Ende des Jahres wird der Quartiersrat neu gewählt. Wer sich bis dahin ein lebensnahes Bild von der Arbeit dieses Gremiums machen möchte, ist herzlich eingeladen, eine der öffentlichen Quartiersratssitzungen zu besuchen. Die nächste findet am 2. Juli 2008 statt.


Sitzung des Quartiersrats

2. Juli 2008  
18 Uhr

Pohlstraße 11 – in den U-Bahnbögen

text: BuM (QB 38); foto: wolk