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Lotsen-Projekt schlägt Brücken – erfolgreiche Arbeit im Jahr 2007

Brücke-Projekt
Inzwischen im zweiten Jahr vor Ort: Brücke-Projekt

Ein Jahr lang hat sich die erste Gruppe der Lotsen aus dem Brücke-Projekt fortgebildet und anschließend Ratsuchenden aus dem Quartier geholfen; inzwischen ist schon die nächste Lotsen-Gruppe vor Ort tätig.

Ein Interview mit dem Projektleiter 2007, Recep Aydinlar, und der Abschlussbericht bieten einen Überblick über die gelungene Arbeit im vergangenen Jahr.


Seit wann gibt es das Lotsenprojekt "Die Brücke"?

Das Projekt gibt es seit zwei Jahren in Berlin Mitte und seit einem Jahr hier bei uns in Tiergarten.


Was ist Aufgabe der Lotsen?

  • Überwindung von Schwierigkeiten beim Verstehen der Amtsprache,
  • Unterstützung bei der Erledigung von behördlichem Schriftverkehr und beim Ausfüllen von Anträgen,
  • Erläuterungen von Zuständigkeiten der Behörden/Ämter und deren Aufgabenbereiche, Organisation von Begleitungen bei Vorhandensein von grundlegenden mangelnden Sprach- und Sachverständnissen.


Wie werden die Mitarbeiter ausgesucht?

Die Mitarbeiter wurden im Kiez gesucht; wichtig war die Beteiligung von Menschen aus verschiedenen Sprachräumen.  
Bei der Bedarfsermittlung an Mitarbeitern gegenüber dem Job Center brauchen wir dringend eine enge Vernetzung zwischen im Kiez ansässigen Einrichtungen und dem Job Center. z.B. wenn wir für eine Schule arabische sprechende Sprachmittler suchen, sollen wir auch in der Lage sein jemanden aus unserem Kiez vorstellen zu können, denn wir haben genügend „Perlen“ im Kiez, die bereit sind ihre Fähigkeiten hier einzubringen.
 

Wie viele Menschen wurden innerhalb des Zeitraumes von ihnen betreut?

Insgesamt haben während der Projektlaufzeit 262 MigrantInnen die Hilfe der Brücke-Lotsen in Anspruch genommen.


Was sind die Besonderheiten des Projektes?

  • Interkulturelle Öffnung der Verwaltung
  • die deutsche Sprache
  • Berufliche Integration


Interkulturelle Öffnung der Verwaltung

Es ist einmalig, dass sich die Verwaltung im Bezirksamt Mitte zur Verfügung stellte, um das notwendige Wissen über ihre Arbeit und ihre Fachbereiche an die Lotsen zu vermitteln: Wie funktioniert das Jugendamt? Wann und wofür geht man zum Jugendamt? Was ist die Funktion des Jugendamtes?
Damit die Lotsen im Kiez die Menschen richtig informieren und zur richtigen Stelle schicken können, wurden sie zuerst mit der  Struktur des Bezirkes und seinen Angeboten vertraut gemacht.
Auch den Lotsen bleibt das erlernte Wissen wie ein Rüstzeug erhalten; es kann immer wieder abgerufen und gebraucht werden.


Die deutsche Sprache

Eine zweite Besonderheit ist, dass die deutsche Sprache innerhalb des Lotsenteams, welches sich aus Lotsen verschiedener Nationalitäten zusammensetzt, im Vordergrund steht. Auch die Kommunikation mit verschiedenen Behörden verlangt von den MitarbeiterInnen die deutsche Sprache.
Gerade diese Tatsache ist sehr positiv, denn durch die Arbeitslosigkeit haben sich viele Menschen in ihre Nische zurückgezogen und die jeweilige Muttersprache, ob türkisch, arabisch oder russisch, ist ihre Alltagssprache geworden. Viele haben kaum Kontakt zur Landessprache. Im Rahmen dieses Projekts, mit einem Team, bestehend aus verschiedensten Nationen, ist die gemeinsame Sprache Deutsch. Und das ist wichtig, um die Kontakte zu Behörden und sozialen Einrichtungen zu erhalten.


Berufliche Integration

Ein anderer Aspekt ist, dass die MitarbeiterInnen durch ihre Kontakte zu den Behörden ihr Selbstbewusstsein wiedererlangen. Einige MitarbeiterInnen sind langzeitarbeitlos und dadurch zum Teil demotiviert; sie bekommen durch die Tätigkeit als Lotse wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten und einen Wiedereinstieg ins Berufsleben.
Dieses Vertrauen stärkt ihr Selbstbewusstsein. Durch dieses Selbstvertrauen entdecken sie ihre Talente neu.
Das Lotsen Brücke Projekt dient so auch der Integration in den Arbeitsmarkt, denn dadurch werden die teilnehmenden Menschen aufgebaut.


Nachhaltigkeit: Wie wird es weitergehen?

Das ist eine Frage, die alle Teilnehmenden beschäftigt. Das Lotsen-Brücke-Projekt wurde als ABM-Projekt begonnen und für ein Jahr gesichert, mit der Hoffnung, während dieser Laufzeit eine langfristige, gesicherte Finanzierung sicher zu stellen. Bislang ist dies nicht gelungen.

Vor allem muss die Nachhaltigkeit gewährleistet sein. Ein wichtiger Aspekt hierfür ist die kontinuierliche Mitarbeit der ausgebildeten Lotsen über das Jahr hinaus. Die Menschen die das machen und durch Fortbildungen ausgerüstet wurden, sollten für mindestens 3 Jahre diese Tätigkeit ausüben.
Dazu ist es notwendig, dass der Senat und die Bezirke gemeinsam mit dem Job Center tragfähige Modelle entwickeln, damit die Arbeit voran geht und inhaltlich weiterentwickelt werden kann.
Die Menschen sollen vom Jobcenter dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Unser Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Probleme in den sozialen Brennpunkten durch die Unterstützung der Menschen, die dort wohnen, gelöst werden können.

Wir hören immer wie schwierig es ist, die Menschen zu erreichen, die nicht unsere Sprache sprechen. Wir haben die Mitarbeiter, die fortgebildet sind und eine Arbeit auf Vertrauensbasis im Kiez aufgebaut haben; das Erreichte muss nun weiter entwickelt werden. Wenn man eine Lücke feststellt, soll sie nicht kurzfristig geflickt, sondern möglichst für immer gestopft werden.

text/grafik: Brücke-Projekt/Aydinlar