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Erdbeer-, Kaninchen- und Gruselgeister wachen übers Wachsen und Gedeihen im Familiengarten

Schutzgeister für unseren Garten

Seit April 2010 kommen die Kinder des deutsch-französischen Kinderladens Cocorico et Co regelmäßig in den Familiengarten in der Kluckstr. 11, um bei dem dort ansässigen Gartenprojekt „Wachsen lassen“ mitzumachen.
Die Kinder säen, gärtnern, ernten und genießen den großen Garten zum Spielen und Herumtollen.

Leider ist es im letzten Jahr immer wieder einmal passiert, dass Tomaten, Zucchini und Kürbis durch Fremde abgeerntet wurden, bevor die Gartennutzer selbst in den Genuss kamen.
Bei den Kindern kamen erste Ideen auf, was dagegen zu machen sei und wie der Garten zu schützen sei. (Am prominentesten war dabei natürlich die Idee, im Garten zu übernachten und ihn gegen Eindringlinge wehrhaft zu verteidigen.)

Wahrscheinlich nicht ganz so wirksam, aber von hohem symbolischem Wert, schlugen wir ihnen deshalb vor, gemeinsam Schutzgeister für den Garten zu bauen.
Diese sollten die Pflanzen nicht nur vor Eindringlingen, sondern auch vor Schnecken und anderen Schädlingen beschützen. Und vor allem vor den Wildkaninchen, die auf unserem Gelände wohnen, auch wenn sie noch sooo niedlich sind...

Gemeinsam mit den Kindern überlegten wir, welche Pflanze sie am liebsten beschützen wollten (dabei standen die Erdbeerpflanzen eindeutig am höchsten in der Beliebtheitsskala). Auf gleich großes Interesse wie die Erdbeeren stießen nur die Kaninchen, wobei nicht ganz sicher war, ob die Kaninchengeister denn nun die Kaninchen selber schützen sollten oder die Pflanzen vor den fresswütigen Kaninchen.

Wie sollten die entsprechenden Schutzgeister aussehen? Wir kamen auf Geister, Schutzengel und Gespenster aller Art und merkten schnell: Richtige Monster, die gruselig aussehen sollten und jeden, der etwas im Garten kaputt machen wollte, sofort vertreiben würden, sollten dabei natürlich auch entstehen.

Los ging´s mit gezeichneten Geister-„Entwürfen“. Da entstanden neben den eher friedlich aussehenden Kaninchen- und Erbeergeistern auch gruselige Aufpasser – spannende Sache!

Fix nahmen die Geister Form an: Nach dem Luftballon-Aufpusten begannen wir mit der hauptsächlichen Arbeit unserer nächsten Projekttage: „Schleimen“, wie es Tadea leidenschaftlich nannte und so fragten auch bald die anderen, wenn wir uns morgens trafen: „Schleimen wir heute wieder?“

Die Kinder modellierten mit Pappmaschee unterschiedliche Formen nach ihren Wünschen.
Je nach Talent und Können entstanden hier einfache Formen bis hin zu gewagten Konstruktionen.
Als die Grundschicht aus Pappmaschee dick und fest genug war, übte sich, wer wollte, darin, seinen Geist mit unterschiedlich farbigen oder gemusterten Servietten zu verschönern.
Andere begannen schon damit, ihre Geister zu bemalen.
Es wurde hauptsächlich mit klaren Grundfarben gearbeitet, um die Kinder ausprobieren zu lassen, wie sich die einzelnen Farben vermischen (bis hin zum: „Jetzt ist ja plötzlich alles grau!“)

Langsam gab es nun hängende und stehende Geisterrohlinge in vielen verschiedenen Farben und Formen, mit und ohne Bauch.

Aus Anlass des Internationalen Kindertags am 1. Juni gab es in diesem Jahr im Kinder-und-Jugend-Treffpunkt FiPP e.V. auf dem Gelände des Familiengartens ein Kinder- und Familienfest.

In Absprache mit „unseren“ Kindern stellten wir an diesem Tag den Gästen des Festes einige unserer Geister-Rohlinge zum Weitermalen zur Verfügung. Die Kinder, die den Treffpunkt des FiPP e.V. besuchen, halten sich ja ebenfalls regelmäßig auf dem Gelände auf und deshalb fanden alle, dass es gut wäre, wenn sie auch ein wenig an den Schutzgeistern mitarbeiten würden.
Diese Mitmach-Aktion auf dem Kinderfest ein voller Erfolg, viele begeisterte Kinder beteiligten sich an unserem Projekt.

In den nächsten Tagen – insgesamt waren die 3- bis 5-jährigen Kinder über etwa zwei Monate mit großem Einsatz dabei - ging es dann ans letzte Verzieren der Geister: Mit unterschiedlichen Materialien gaben die Kinder ihren Geistern den letzten Schliff.  

Endlich war es soweit: Alle Schutzgeister waren fertig und sollten nun im Garten ihre Plätze finden! Passend zum Sommerfest mit den Eltern, inklusive Geisterspaziergang...

Wo passte der eigene Geist am besten hin? - Da hatten die Kinder genaue Vorstellungen: Schnell waren die Orte für die jeweiligen Geister ausgesucht.

Nun stehen sie fest installiert in unserem Garten und walten ihrer Ämter.
Wir alle hoffen sehr, dass sich noch viele Menschen an ihrem Anblick erfreuen werden und dass sie die Geister in Frieden lassen – damit sie für Frieden im Garten sorgen können.


- Allen Beteiligten hat die Arbeit sehr viel Spaß gemacht: Denn das Gartengelände bietet einen idealen Raum für die Durchführung von Kunst- und Kulturprojekten mit Kindern, da die Arbeit auch immer wieder einmal unterbrochen werden kann, um im Freien zu spielen und sich auszutoben.

Die Kinder meisterten gemeinsam mit den Projektleiterinnen Gabriele Koll und Beate Daniel  die komplette Herstellung der Geister – von der gedanklichen Planung über den zeichnerischen Entwurf, der Herstellung, das  Bemalen und Dekorieren bis hin zur Installation im Garten – Respekt!
Entstanden sind kleine Kunstwerke, die nicht nur den Gartenraum, sondern auch den öffentlichen Raum in unserem Kiez verschönern. 

Grrrrrrr! - So entstanden unsere Schutzgeister

Das Kunstprojekt „Schutzgeister für unseren Garten“ wurde gefördert durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.


Das Projekt „Wachsen lassen“ – Ein StadtErlebnisGarten für Tiergarten-Süd wird gefördert mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt über das Quartiersmanagement Magdeburger Platz - Tiergarten Süd.

text/fotos: Gabriele Koll