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VERRUCHT und ZUGENÄHT: Der Umgang mit dem Straßenstrich hat es in sich

Es ist ein Zwischensieg. Ende Mai entschied das Verwaltungsgericht, dass kein Laufhaus mit 48 Zimmern im ehemaligen Wegert-Haus gebaut werden darf. Ob die Betreiberin in Berufung geht, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Vorerst bleibt also alles beim Alten. Es kommt in Wellen. Mal ist es ein paar Monate ruhig. Dann treibt ein Gewerbe Blüten auf den Straßen von Tiergarten Süd und Schöneberg Nord, das viele Anwohner/innen im Keim ersticken möchten.

„Hier bietet sich eine Art von Dirnen an, die eigentlich nicht zum wohlhabenden und auch wohl verschwenderischen Westen stimmen,“ schreibt Hans Ostwald. „Es sind Mädchen,…., die fast stets geschmacklos gekleidet sind, die sich … mit ‚Komm mit, Schatz!‘, ‚Kleener, komm doch‘ aufdrängen und gelegentlich auch roh schimpfen.“

Leicht verändert könnte dieses Zitat auch in den Zeitungsberichten stehen, die 2010 die hiesigen Zustände wieder einmal als unhaltbar beschrieen. Doch das Zitat stammt von 1907, als sich das Geschäft mit dem Sex als  Begleiterscheinung der Großstadt unter der Bülowbahn etablierte. Bis heute erhält der Kiez dadurch seine zweifelhafte Berühmtheit.

Eine Abschaffung des Straßenstriches scheint aussichtslos. Eingeschränkte Sperrzeiten wären kaum durch Ordnungskräfte zu kontrollieren. Eine bloßes Verbot könnte in Illegalität und damit erhöhter Kriminalität enden.

Erfolg versprechender sind andere Wege. Die Straßenarbeit mit Sprachmittlerinnen, zum Beispiel, die die osteuropäischen Frauen direkt ansprechen, hat zu einer spürbaren Beruhigung für Passant/innen geführt. Alle sozialen Dienste arbeiten eng zusammen und kooperieren mit der Polizei auf lokaler Ebene. Ein Austausch auf Bezirksebene findet regelmäßig statt und resultiert in einer engen Beobachtung und damit auch Kontrolle der Situation.

Die Bevölkerung sollte beobachtete Verstöße, Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten immer zur Anzeige bringen. Denn die Polizeipräsenz kann aber nur erhöht werden, wenn statistisch ein erhöhtes Anzeigenaufkommen zu verzeichnen ist.

Wie kann ein Ausgleich zwischen den Interessen gefunden werden? Ein Erfolg wäre es, wenn alle klar zeigen, dass sie in respektvollem Umgang miteinander leben, kreativ arbeiten und freudvoll spielen möchten.

mitte(n)dran 01 - text: R.W.