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„Wachsen lassen“: Der StadtErlebnisGarten in Berlin Mitte
Im April 2010 starteten wir unser Projekt „Wachsen lassen“ auf dem Gelände des neu entstandenen Familiengartens Mitte. Der Garten befindet sich in der Kluckstr/ Ecke Lützowstraße in Tiergarten Süd.
Ermöglicht durch eine finanzielle Förderung aus dem Bundesprogramm „Soziale Stadt“ konnten wir beginnen, eine Fläche, die bisher als öffentliche Grünfläche ausgewiesen war und nun dem Gelände des Familiengartens zugeordnet worden war, in ein Stück Garten umzuwandeln.
I. Der Grundgedanke...
Wir vermitteln Kindern Naturerleben und Umweltwissen und möchten sie auf kindgerechte Weise für ökologische Fragen und Zusammenhänge Mensch, Umwelt und Natur sensibilisieren und interessieren.
Ein weiterer Ansatz unserer Arbeit ist der Gesundheitsaspekt: unsere Kinder essen häufig zu viel, zu fett und oft das Falsche und bewegen sich darüber hinaus zu wenig. Sogenannte Zivilisationskrankheiten entstehen bereits im Kindesalter.
Gemeinsam wird in unserem Garten erfahren, dass und wie Nahrung wächst, dass Lebensmittel selbst hergestellt werden können und dass eine Pizza, selbst gebacken und belegt mit selbst angebautem Gemüse einfach besser schmeckt als aus dem Tiefkühlfach.
Über die Gartenarbeit werden aber auch elementare Fertigkeiten vermittelt:
Knoten binden, Löcher buddeln, sägen, schneiden, mit Werkzeugen umgehen, Grob- und Feinmotorik werden geübt und Kraft, Ausdauer und natürlich Geduld ausgebildet.
Die Kinder lernen, im überschaubaren Rahmen Verantwortung zu übernehmen und erfahren, was mit den Pflanzen passiert, wenn man sie gut und sorgfältig oder auch schlecht behandelt und vernachlässigt.
Sie lernen im Team zu arbeiten und Absprachen zu treffen, erleben gemeinsamen Erfolg, lernen aber ebenso, Konflikte untereinander auszutragen. Kurz gesagt: die Entwicklung sozialer Kompetenzen wird gefördert.
Der insgesamt positive Effekt von Gartenarbeit und Bewegung im Freien auf die physische und psychische Entwicklung von Kindern ist enorm. Bewegung im Freien macht fit und erhöht nicht zuletzt die Leistungen des Gehirns.
Das gilt natürlich nicht nur für Kinder. Der Aufenthalt und die gemeinsame Arbeit im Garten wirken sich positiv auf das seelische und körperliche Wohlbefinden eines jeden Menschen aus und es macht Spaß, sich gemeinsam in der (Stadt-) Natur aufzuhalten und diese zu gestalten.
Ein Garten lädt ein zum Anfassen, Riechen, Schauen, Beobachten und spricht somit alle Sinne an.
Ein Blumenbeet ist farbenfroh, ein Kräuterbeet duftet, Gras und Moos laden ein zum Anfassen, ein Gemüsebeet zum Essen und Kochen.
An der Vogeltränke lassen sich Vögel beobachten.
Ein Garten ist somit im besten Sinne des Wortes Lebensraum und wird zum „kleinen Paradies“ für alle.
Zu jeder Jahreszeit ist der Garten ein Ort zum Spielen, Entdecken und Erholen.
Zu jeder Jahreszeit erwächst uns hier ein Freiraum, um Luft zu holen und sich auszuruhen von den Anstrengungen des Alltags und um neue Energien zu tanken.
...und seine Weiterführung:
Im letzten Jahr [2010] ist unser Projekt von den beiden teilnehmenden Kita-Gruppen (Tagesgroßpflege Anezolia und EKT Cocorico et Co e.V.) mit Begeisterung aufgenommen worden und wir haben uns alle gemeinsam auf die diesjährige Gartensaison gefreut.
Nun möchten wir unseren Garten auch für interessierte Menschen in der Nachbarschaft öffnen, damit er zu einem nachbarschaftlichen Erlebnisgarten mitten im Kiez wird.
Je nach Lust, Laune und Fähigkeiten wollen wir gemeinsam gärtnern, mit den Kindern spielen oder ihnen auch einmal etwas vorlesen oder auch einfach nur die Sonne im Garten genießen.
Wir freuen uns auf Menschen mit eigenen Ideen und Freude daran, den Garten weiter zu gestalten. Dies muss nicht immer gemeinsam geschehen, aber wir möchten dieses schöne, grüne Gelände im Kiez gerne im gemeinschaftlichen Sinne beleben.
Ein Garten bietet einen idealen Raum, sich vorurteilsfrei zu begegnen und kennen zu lernen. Im gemeinsamen Tun und Gesprächen werden kreative Kräfte geweckt, Wissen und Erfahrungen können ausgetauscht, eingebracht und nicht zuletzt an die Kinder weiter gegeben werden.
Hier finden unterschiedliche Generationen einen gemeinsamen Platz und bereichern sich gegenseitig.
Wir werden Umwelt- und Kunstprojekte durchführen und es sind kleinere Feste und Aktionen geplant.
2. Gesunde Ernährung, ein Bewusstsein dafür entwickeln, wo unsere Nahrung her kommt
Die Kinder haben im letzten Jahr erfahren, wie Nahrung wächst, wie eine Tomatenpflanze aussieht, ihre Blüte, der erste kleine Fruchtansatz, die grüne Tomate, die reife rote Tomate, die man vom Strauch pflücken kann und in die man einfach hinein beißen kann.
Gemeinsam haben wir geerntet und aus unserem Gemüse einfache schmackhafte Nahrung zubereitet. Das gemeinsame Essen hat allen sehr viel Spaß gemacht.
Neben unseren Zutaten für Pesto und Pizza, die wir selbstverständlich auch in diesem Jahr wieder anbauen wollen und Kürbis und Zucchini (hmm, selbstgemachte Zucchini-Puffer!), haben wir in diesem Jahr den Anbau erweitert um Salate, Kartoffeln (das kleine Kartoffelbeet des Kinderladens Cocorico reichte im letzten Jahr für ein Mittagessen, das bei allen Begeisterung hervorgerufen hat), Möhren, Bohnen und Mais.
Auch hier freuen wir uns auf die Teilnahme von Menschen aus der Nachbarschaft: Vorhandenes Wissen über alte regionale Ost- und Gemüsesorten und deren Anbau, Verwertung und Haltbarmachung werden eingebracht. Neue (alte) Rezepte und Ideen werden in unser gemeinsames Kochen einfließen.
3. Bio-Diversität , Anbau alter, seltener und regionaler Kulturpflanzensorten
Saatgut ist nicht gleich Saatgut!
Unsere (Um-) Welt krankt auch daran, dass wir über eine immer geringer werdende Artenvielfalt verfügen, das Saatgut für Getreide z.B. ist schon seit Langem in der Hand weniger Monopole und es werden weltweit immer weniger verschiedene Sorten angebaut.
Im vergangenen Jahr haben wir eine Zusammenarbeit mit VERN, Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V. verabredet.
Der VERN e.V. erhält ca. 2.000 alte Nutzpflanzensorten und hält sie für die Allgemeinheit einfach zugänglich. Er erhält zudem das Wissen über den Anbau, den Umgang und die Nutzung der Kulturpflanzen.
In diesem Jahr verwenden wir in vielen Fällen das Saatgut von VERN e.V. oder von ähnlich arbeitenden Bio-Anbietern.
Wir beteiligen uns an dem Projekt SOCIAL SEEDS.
Dazu haben wir ein kleines Maisfeld mit drei alten Maissorten (weißer, roter und gelber Mais) angelegt.
Das Projekt SOCIAL SEEDS – Über LebensVielfalt in Berliner Gemeinschaftsgärten möchte durch den Anbau alter, seltener und regionaler Kulturpflanzensorten zusammen mit Berliner GemeinschaftsgärteInnen neue Agro-Sozio-Biotope schaffen, in denen sich soziale und biologische Vielfalt nachhaltig entwickeln kann.
SOCIAL SEEDS ist eine von 14 geförderten Initiativen von ÜBER LEBENSKUNST, dem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt.
4. Ein Raum für Menschen, Pflanzen und Tiere
Wir möchten unseren Garten möglichst naturnah gestalten.
Nicht nur die Menschen, auch die Tiere unseres Gartens sollen Nahrung und Unterschlupf finden.
Es gibt einen Totholzhaufen als Wohnstätte (besonders auch im Winter) für verschiedene Käfer und Insektenarten und einen großen Bereich mit toten Ästen und Zweigen als möglichen Wohnort für Igel, als Nistplatz für die Amseln und als Versteck für kleinere Tiere.
Wir werden im Herbst dieses Jahres Nistkästen und weitere Futterhäuser für die Vögel bauen und hoffen, in diesem Jahr endlich ein Insektenhotel zu errichten.
Schmale Pfade führen durch einige Büsche, einige Bereich sollen möglichst ohne große Einwirkung wachsen können, bzw. wir bemühen uns um eine Renaturierung.
5. Unsere weiteren Pläne:
In der letzten Woche der diesjährigen Sommerferien werden wir Fühl- und Tastgarten anlegen, der barfuss betreten wird und wo man dann über verschiedene Materialen läuft, wie z.B. Steine, Holz, Sand, Kies, Split, Korken, Tannenzapfen, Hölzern, Rindenmulch u.a.
Im Herbst werden wir gemeinsam kunterbunte Nistvillen und ein zweites Futterhaus für unsere Gartenvögel bauen und künstlerisch gestalten.
Dazu:
- Ausbau unseres Komposthaufens.
- Weitere Umgestaltung des Halbschattenbereiches.
- Ausbau der Kontakte zu anderen Initiativen/Vereinen und Menschen im Kiez
- Erntedankfest
- Laternenumzug mit Lagerfeuer am St. Martins Tag
Und: der KaninchenArtZaun
Nach den ersten Vor-Frühjahrsbegehungen in unserem Garten, auf der Suche nach den ersten zarten Trieben, die sich aus dem noch winterlichen Boden heraus wagen, wurde uns klar: Um weiterhin in einem halbwegs friedlichen nachbarlichen Verhältnis mit den Wildkaninchen auf dem Gelände leben zu können, muss etwas geschehen.
Noch mehr Maschendraht?
Wie sieht das denn aus?
Das ganze Gelände einzäunen?
Nicht zu realisieren.
Um unserem Wunsch, mehr Gemüse und Salate (und auch bunte - insektenfreundliche - Blumen) anzubauen näher zu kommen, entschieden wir uns für den KaninchenArtZaun.
Wir dachten an traditionelle Bauerngärten mit ihren hübschen Latten oder Staketenzäunen und entscheiden uns dafür, auf dem uns zur Verfügung stehenden Gartengelände ein größeres Stück ein zu zäunen.
Eingezäunt wird ein größeres Gelände, das die Beete der Kindergärten enthält und noch zusätzlichen Platz bietet für den Anbau von Salaten, Radieschen, Möhren und Sommerblumen.
Der Zaun wird nach und nach entstehen in künstlerisch geleiteten Aktionstagen. Bis zur Fertigstellung des Zauns werden die Beete provisorisch mit Maschendraht eingezäunt, damit Aussaat und Anbau überhaupt möglich sind.
Wir möchten damit den notwendigen Zaun zu einem weiteren künstlerisch gestalteten Element in unserem Garten machen, an dem sich sowohl die direkten Gartennutzer als auch vorbeigehende Anwohner erfreuen können.
Wir freuen uns auf die Menschen, die bei unserem StadtErlebnisGarten mitmachen möchten und darauf, dass es wächst und gedeiht in unserem Garten.
Möchten Sie uns finanziell unterstützen oder einzelne Projekte, Aktionen, Workshops fördern?
Wir freuen uns auch über Sachmittel, Materialien, Pflanzen, Werkzeuge etc.
Sie können unseren Garten auch für Ihre eigenen Kunstaktionen und/oder Projekte nutzen, sofern sie in unser Konzept passen.
Neben Sie Kontakt zu uns auf und erzählen Sie uns von Ihren Ideen!
Regine Bräuer und Gabriele Koll
Kontakt: gakoll[at]web[.]de
oder einfach mal vorbei schauen!
Das Projekt Wachsen lassen wird gefördert mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt über das Quartiersmanagement Magdeburger Platz - Tiergarten Süd.





















